Peter Schlickenrieder ist begeistert vom Rad-Marathon Tannheimer Tal
Tanja Behnke am 14.07.2010 - 11:06 Uhr
Bei bestem Sommerwetter absolvierte Peter Schlickenrieder am Sonntag zusammen mit Ehefrau Andrea den
Rad-Marathon Tannheimer Tal. Bei rund 1500 Teilnehmern erreichte der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2002 nach 6:55 Stunden einen guten 43. Platz (Platz 14 in seiner Altersgruppe). Andrea Schlickenrieder belegte bei den Frauen sensationell Platz 3. Überraschend war für Peter Schlickenrieder die große Zahl deutscher Teilnehmer am Start. Nur 200 Radfahrer kamen aus Österreich.
Erlebnis pur
„Die Tour hat uns unheimlich viel Spaß gemacht“, schwärmt Peter Schlickenrieder nach dem Radrennen, „auch wenn es schon gewöhnungsbedürftig war, so eng im Pulk nebeneinander herzufahren. Das ist spannend, aber auch nicht ungefährlich. Man muss unheimlich aufpassen, dass man dabei nicht stürzt.“ Zwar hatte sich Peter Schlickenrieder im Vorfeld in einer Tabelle die möglichen Zeiten ausgerechnet, die er für die Distanzen benötigen würde, jedoch stand in erster Linie der Spaß im Vordergrund und nicht die Leistung. „Natürlich habe ich mich unheimlich gefreut, dass ich viel schneller war als anfangs gedacht, aber es geht mir bei solchen Rennen eigentlich nicht wirklich ums Gewinnen, sondern wie man sich auf der Strecke fühlt. Mit dem Sieg hatte ich eh nichts zu tun, dafür waren die Profis am Start. Es war mir einfach wichtig, ein schönes Erlebnis zu haben, eine Strecke zu fahren, die ich noch nicht kenne. Und in so einer großen Truppe zu fahren erinnert schon ein bisschen an Tour de France.“
Professionelle Organisation
Ein besonderes Lob spricht Peter Schlickenrieder auch den Veranstaltern des
Rad-Marathons Tannheimer Tal aus. „Das war einfach von Anfang bis Ende super toll organisiert“, schwärmt er. „Der Michael Keller, Tourismus-Chef Tannheimer Tal und Organisator des Rad-Marathons ist selbst mal Radtrainer gewesen. Deshalb wusste er genau, was wir Biker brauchen. Es war einfach alles top, genauso wie man es sich als Radfahrer wünschen würde." Auch auf die extreme Hitze hatten die Veranstalter umgehend reagiert. "Es wurden zusätzliche Verpflegungs- und Trinkstationen auf der Strecke aufgebaut. Es gab sogar Melonen und auch mal was deftiges zur Stärkung", so Schlickenieder. "Zudem waren es auch Kühlstationen mit nassen Schwämmen eingerichtet, damit wir uns den Kopf oder Nacken kühlen konnten. Wenn man bedenkt, dass dies erst die zweite Veranstaltung ist, kann man nur den Hut ziehen vor so viel Professionalität.“
Anspruchsvolle Strecke durch die Alpen
Die Veranstalter des Rad-Marathons Tannheimer Tal hatten bei der Streckenplanung eine anspruchsvolle Tour zusammengestellt, bei der für jeden ambitionierten Biker etwas dabei war. Die hohen Temperaturen machten es dabei auch nicht einfacher. „Am ersten Anstieg am Arlberg hatten wir noch Schatten, das war super angenehm. Wir fuhren an Warth vorbei, wo Erinnerungen an meine Ski-Transalp im Januar und das ARD-Buffet Ski-Opening wach wurden“, berichtet Schlickenrieder. "Dann ging es nach Landeck und Imst runter. Im flachen fuhr man dann am besten im Windschatten, damit man zackig vorankommt." Von Imst aus wurde es für die Biker dann richtig heftig. Es ging steil bergauf zum Hantenjoch und weiter über die Berge. „Das war mindestens 18 bis 20 Prozent Steigung und ziemlich lang“ erinnert sich Peter Schlickenrieder. Aufgrund der extremen Hitze waren auf diesem Streckenabschnitt zahlreiche zusätzliche Kühl- und Trinkstationen von den Organisatoren eingerichtet worden. „Ich glaube, ich habe allein an diesem Anstieg rund 3 Liter Wasser getrunken und ich hatte danach immer noch durst. Am Pass auf rund 1700 Metern Höhe ging es dann wieder bergab, eine Wohltat nicht nur für die Beine.“
Zieleinfahrt und Überraschung
„Die letzten Meter bis zum Ziel ging zum Glück auf recht flacher Strecke mit einem kurzen Anstieg bei Reutte, wo ich mich einer größeren Gruppe anschloss“, berichtet Peter Schlickenrieder. „Mit dabei war auch die österreichische Fahrradlegende
Helmut Wechselberger. Mit seinen 57 Jahren fährt er wie ein junger Gott. Wahnsinn!“
Nach 6 Stunden und 55 Minuten erreichte Peter Schlickenrieder das Ziel und damit über 30 Minuten vor der von ihm im Vorfeld errechneten Zeit. „Da habe ich mich natürlich unheimlich gefreut“, berichtet er. „Begeistert war ich aber von der Leistung meiner Frau Andrea. Ich wollte kurz duschen gehen und sie dann im Ziel erwarten, aber da war sie tatsächlich schon längst angekommen“, lacht er. Bei ihrem überraschend erreichten 3. Platz war Andrea Schlickenrieder verständlich „total aus dem Häuschen“. „Bedenkt man, dass Frauen in der Regel rund 10 Prozent langsamer sind als die Männer, ist Andrea vergleichsweise sogar schneller gewesen als ich“, so Schlickenrieder anerkennend.
Für die Schlickenrieders steht nun erst mal erholsamer Urlaub mit den Kindern an. „Aber die Räder nehmen wir natürlich mit, wir sind ja eine sportliche Familie“, so Schlickenrieder.